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| 4.8. Gleichmächtige Mengen |
Bijektive Funktionen spielen in der Mengenlehre eine ungemein wichtige Rolle. Mit ihnen kann man u.a. präzise beschreiben, wann zwei Mengen gleichviele Elemente enthalten, so daß schließlich die Mengen hinsichtlich ihrer Elementanzahl klassifiziert werden können.
| Definition:
Zwei Mengen M und N heißen gleichmächtig (in Zeichen M ~ N), falls es eine bijektive Funktion
f : M ® N
gibt. |
Bemerkung:
Beweis:
Zu 1.: Sei N ~ Æ, dann gibt
es eine bijektive Funktion von N
® Æ. Falls N
¹ Æ,
gibt es überhaupt keine Funktion von N® Æ. Also hat man: N =
Æ. Zu 2.: XM ist eine umkehrbare Funktion von M ® M. Zu 3.: Ist f : M ® N bijektiv, so ist f -1 : N ® M ebenfalls bijektiv. Zu 4.: Sind g : M ® N und f : N ® L bijektiv, so ist auch : M ® L bijektiv. |
Das Konzept der Gleichmächtigkeit ist ein unentbehrliches Hilfsmittel bei der Untersuchung unendlicher Mengen. Einige "Mengensorten" zeichnen wir durch einen Namen aus:
Definition:
|
Beispiel:
Beweis: Zu 1.: Offensichtlich ist {(1,a1),....,(n,an)} eine bijektive Funktion von {1,....,n} ® {a1,....,an}. Zu 2.: Sei f : N ® M eine Abzählung von M. Insbesondere ist damit M ¹ Æ. Wäre nun M endlich, so gäbe es ein n Î N und eine Bijektion g : {1,....,n} ® M . Damit ist aber eine umkehrbare Funktion von {1,....,n} ® N . h kann nicht bijektiv sein, denn z.B. hat die natürliche Zahl max{h(1),....,h(n)} + 1 kein h-Urbild. Widerspruch. Zu 3.: Ergibt sich sofort aus 2. Zu 4.: Der sehr elegante Beweis geht auf Cantor zurück. Wir müssen zeigen: keine Funktion von M nach P(M) ist umkehrbar. Sei dazu f : M ® P(M) irgendeine Funktion. Wir betrachten die Menge
A := {x
Î M |
x
Ï f(x)}Ì
M.
A hat kein Urbild, denn die Gleichung f(y) = A für ein y Î M erzeugt den Widerspruch
y Î
f(y) Û
y Î
A Û y
Ï f(y).
Also ist f nicht bijektiv. |
Bei den klassischen Zahlenmengen N, Z, Q und R sind die Unendlichkeitssorten bekannt. Zunächst stellen wir dies für N und Z dar.
Beispiel:
Beweis: Zu 1.: XN ist eine Bijektion von N ® N .
Zu 2.: Die Aufgabe besteht darin, die Elemente von
Z , d.h. .....,-2,-1,0,1,2,..... mit
natürlichen Zahlen durchzunummerieren. Dies scheint schwierig zu sein,
da Z keinen "Anfang" hat; die folgende
Umsortierung aber räumt dieses Hindernis aus dem Weg: 0,1,-1,2,-2,...... Mit
Hilfe der Gaußfunktion können wir diese Nummerierung durch eine
Funktion erzeugen:
f : N ® Z ,
gegeben durch
ist bijektiv; g : Z ® N mit
ist die Umkehrfunktion.Zum Beweis zeigen wir, daß sich f und g in ihrer Wirkung gegenseitig aufheben:
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Bei den verbliebenen Mengen Q und R sind die Überlegungen ein wenig aufwendiger. Es ist übersichtllicher, zunächst einige allgemeine, auch für sich interessante Sachverhalte zu klären.
In einigen Bereichen besitzen die Teilmengen von N eine gewisse Schlüsselrolle. Daher benötigen wir einen vollständigen Überblick über ihre Mächtigkeiten. Wenngleich die folgenden Aussagen anschaulich sehr klar sind, die Beweise müssen streng geführt werden! Überdies sind sie technisch aufwendig. Wir benutzen gelegentlich eine wichtige Grundeigenschaft der natürlichen Zahlen: Jede nicht-leere Teilmenge von N besitzt ein kleinstes Element.
Bemerkung:
Beweis: Zu 1.: Falls A = Æ, ist nichts weiter zu zeigen. Sei also A ¹ Æ. Wir müssen A bijektiv auf ein "fortlaufendes Stück" {1,....,k} abbilden, wobei wir zunächst die Länge k dieses Stücks benötigen. Dazu "zählen" wir die Elemente von A mit Hilfe ihrer Indikatorfunktion cA und setzen
k :=
cA(1)
+ .... +
cA(n).
Ist z.B. A = {2,4} Ì {1,2,3,4}, so ist k = cA(1) + cA(2) + cA(3) + cA(4) = 0 + 1 + 0 + 1
= 2. Mit dem gleichen Trick definieren wir nun die Funktion
g : A ® {1,....,k} durch
g(i) :=
cA(1)
+ .... +
cA(i).
Da A
¹ Æ,
besitzt A ein kleinstes Element: minA. Offensichtlich ist
g(minA) = 1; ferner hat man: g ist bijektiv und damit A endlich, denn:
Zu 2.: Sei A eine nicht-endliche Teilmenge von N. Wir müssen zeigen: A ist abzählbar. Dazu setzen wir wieder den "Indikatorfunktionentrick" ein und definieren noch einmal eine Funktion
g : A ® N
durch g(i) :=
cA(1)
+ .... +
cA(i)
Genau wie in Teil 1 zeigt man: jedes j ÎN hat höchstens ein Urbild. g ist also bijektiv, wenn wir nachweisen können, daß jedes j ÎN auch mindestens ein Urbild hat. Auch hier gehen wir i.w. wie in Teil 1 vor:
Zunächst hat 1 ein Urbild, denn da A nicht endlich ist, also
insbesondere A
¹ Æ,
existiert minA und g(minA) = 1. Sei jetzt angenommen,
es gibt ein j
ÎN ohne
Urbild. O.E. sei j das kleinste Element dieser Art, dann ist j
>1 und j - 1
ÎN besitzt
ein Urbild, etwa j - 1 = g(r). |
Es ist nun ein Leichtes, sich von den natürlichen Zahlen zu lösen und die gerade bewiesenen Zusammenhänge auf beliebige Mengen zu übertragen:
Bemerkung:
Beweis: Es reicht das Übertragungsverfahren einmal zu demonstrieren. Wir machen dies für Punkt 1:
1 ist trivial falls M leer ist; sei daher o.E. M
¹ Æ. |
Eine letzte allgemeine Aussage:
| Bemerkung:
Abzählbare Vereinigungen endlicher Mengen sind abzählbar. Präzise gefaßt lautet die Aussage: Für jedes i ÎN sei Ai eine endliche, nicht-leere Menge. Sind die Ai paarweise disjunkt, so ist
A :=
ÈAi
= {x| es gibt (genau) ein
i mit x Î
Ai}
abzählbar. Beweis: Zunächst gibt es nach Voraussetzung zu jedem i ÎN ein ni ÎN und eine Bijektion
gi : {1,...,ni} ® Ai .
Wir konstruieren nun eine Funktion f : A ® N : Ist x Î A, also x Î Ai für genau ein i, so sei
f(x) := n1 + .... +
ni-1 +
gi
-1(x).
f ist umkehrbar; die Funktion g : N ® A, gegeben durch
g(n) :=
gi*(n -
(n1 + .... +
ni*-1))
(Î
Ai*)
ist die Umkehrfunktion zu f; mit i* sei dabei die Zahl max{i| n1 + .... + ni-1 < n}bezeichnet. (Hier ist auf die Konvention n1 + .... + n0 = 0 zu achten, so ist z.B. i* = 1, falls n = 1 ist!) Wir zeigen wieder: f und g heben sich in ihrer Wirkung gegenseitig auf:
|
Mit dieser Bemerkung könnte man als Beispiel noch einmal die
Abzählbarkeit von
Z nachweisen:
Setzt man nämlich A1 := {0},
A2 := {-1,1},
A3 := {-2,2},..., so sind alle
Ai endlich, nicht-leer, paarweise disjunkt
und
ÈAi
= Z !
Wir setzen jetzt dieses Verfahren ein, um die Abzählbarkeit vonQ sicherzustellen:
| Bemerkung:
Q ist abzählbar. Beweis: Wir müssenQ in abzählbar viele endliche Mengen zerlegen. Bei der Darstellung von Brüchen darf man o.E. annehmen, daß alle Nenner positiv sind und nur maximal gekürzte Bruchdarstellungen vorkommen, also:
Q = {
| nÎZ
Ù m
ÎN
Ù n und m
sind teilerfremd}.
Wenn wir für den Augenblick den Bruch als Zahlenpaar (n,m) ÎZ ´N schreiben, haben wir die Möglichkeit, ihn als Gitterpunkt der Zeichenebene zu sehen.
Für einen Bruch
setzen wir jetzt b(x) :=
½n½
+ ½m½.
Da wir nur maximal gekürzte Darstellungen zulassen, gehört zu jeder
rationalen Zahl x genau eine Zahl b(x)
ÎN.
Außerdem haben nur endlich viele Zahlen x denselben Wert
b(x). Die Zerlegungsmengen Ai enthalten offensichtlich genau diejenigen Brüche, die auf dem i-ten Diagonalenpaar liegen. Diese Art der Aufteilung heißt Cantor'sches Diagonalverfahren. |
Die letzte unserer Zahlenmengen, die MengeR der reellen Zahlen gehört nicht mehr zur Klasse der abzählbaren Mengen:
| Bemerkung:
R ist überabzählbar. Beweis: Es reicht zu zeigen, daß R eine überabzählbare Teilmenge enthält. Wir betrachten dazu die Menge
R :=
{0,x1x2.....
ÎR
|
xi = 0
Ú
xi = 1},
also die Menge aller Dezimalzahlen zwischen 0 und 1, deren Nachkommastellen nur mit 0 oder 1 besetzt sind. Die Elemente von R stehen in einem direkten Verhältnis zu den Teilmengen von N, denn bezeichnet man für eine solche Teilmenge A Ì N mit xA diejenige Zahl 0,x1x2... Î R bei der xi = 1 ist, genau dann wenn i Î A (Also z.B. x{2,3,5} = 0,01101 oder xÆ = 0 oder xN = 0,111111....), so ist die Funktion
f : P(N) ® R gegeben durch
f(A) := xA
bijektiv. Jede Zahl 0,x1x2..... Î R nämlich besitzt genau ein Urbild, und zwar die Menge derjenigen i mit xi = 1. R ist damit nicht abzählbar, denn anderenfalls wäre auch die zu R gleichmächtige Menge P(N) abzählbar. Dies aber ist nach einem unserer Beispiele nicht wahr. Schließlich kann R auch nicht endlich sein, denn R enthält eine abzählbare, und somit unendliche Menge, etwa die Menge ÈRi, wobei
Ri :=
{10-i} = {0,0...01}, i
ÎN .
Die Ri sind Einermengen, z.B.R1 = {0,1}, R2 = {0,01}, R3 = {0,001} usw. |