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| 9.13. Skalarprodukte |
Wir wenden uns nun verstärkt geometrischen Aspekten zu: In diesem Abschnitt entwickeln wir Konzepte zur Längen- und zur Winkelmessung, im nächsten Abschnitt wird das Prinzip des zu einander Senkrechtstehens, der Orthogonalität, untersucht.
Zur Einführung geometrischer Begriffe benötigt man allerdings zusätzliche Strukturen. Als eine einheitliche Grundlage erweisen sich dabei die Skalarprodukte. Wir stellen sie zunächst vor.
Definition: Es sei (V, + , · ) ein Vektorraum. Eine
Funktion
heißt ein Sakalarprodukt (bzw. ein inneres Produkt) auf V, falls
V heißt euklidischer Vektorraum, wenn auf V ein
Skalarprodukt *
gegeben ist. Wir notieren einen euklidischen Vektorraum als 4-Tupel:
(V, + , · , *
). |
Beachte:
Ein Skalarprodukt ist in beiden Koordinaten linear. Es ist daher breits eindeutig bestimmt, wenn man seine Werte auf den Vektoren einer vorgegebenen Basis kennt. Umgekehrt läßt sich dieses Verhalten nutzen, um jeden Vektorraum mit einem Skalarprodukt zu versehen, ihn also (auf mindestens eine Weise) zu einem euklidischen Vektorraum zu machen.
Bemerkung und Bezeichnung: Es sei V ein Vektorraum,
B Ì V eine Basis von V
mit zugehöriger Koordinatentransformation TB.
Für jede Funktion
wird durch die Festsetzung ein Skalarprodukt auf V erklärt. Dabei gilt für Basiselemente a,b Î B: . Setzt man abkürzend a
:= TB(x) und b
:= TB( y), so läßt sich
die Definition übersichtlicher notieren:
Ist speziell j = 1, so nennt man das Skalarprodukt *B,1 das zu B gehörige Standardskalarprodukt. Beweis: Wesentliches Argument ist (in 2. und 3.) die Linearität von TB. .
. 4. Zu jedem x ¹ 0 gibt es ein vx Î B, so dass TB(x)(vx) ¹ 0. Da ferner j(v) > 0 für alle v hat man also: .Bleibt der Zusatz über die Basisvektoren. Dabei beachte man zunächst, dass für den Koordinatenvektor eines a Î B gilt:
TB(a) = c{a}.
Damit ergibt sich
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Wir geben nun einige konkrete Beispiele für ein Skalarprodukt an.
Beispiel:
Beweis: Zu b.: Die Kommutativität von *
ist offensichtlich. Zu den weiteren Eigenschaften:
x * x ist also eine Summe von Quadraten und damit stets ³ 0. Sei nun x ¹ 0. Ist x2 ¹ 0 oder x3 ¹ 0, so hat man sofort x * x > 0. Sind x2 und x3 beide gleich 0, so muß x1 ¹ 0 sein und damit ist x * x = (x1 + x3)2 = x12 > 0. Zu c.:
Man beachte, dass * wohldefiniert ist, denn mit f und g ist auch
fg stetig, also über [a,b] integrierbar. Die Kommutativität von *
ist offensichtlich. Die Linearität in den Koordinaten ergibt sich aus dem
Distributivgesetz und der Linearität des Integrals.
.
Zu d.: Zunächst stellen wir sicher, dass *
wohldefiniert ist. Ist etwa
so sind (an) - (a'n) und (bn) - (b'n) Nullfolgen. Das bedeutet:
also ist lim anbn = lim a'nb'n. |
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Beachte:
Das nachfolgende allgemeine Beispiel ermöglicht es, Skalarprodukte zu "importieren", also gewissermaßen eine euklidische Struktur von einem Vektorraum auf einen anderen zu übertragen.
| Beispiel und Bezeichnung: Es sei V ein
Vektorraum und W
ein euklidischer Vektorraum. Ist f : V ®
W linear und injektiv (also ein injektiver Homomorphismus),
so wird durch
v *f w
:= f(v) *
f(w)
ein Skalarprodukt auf V definiert. *f heißt das durch f induzierte Skalarprodukt auf V. Beweis:
|
Aus den definierenden Eingenschaften des Skalarprodukts ergben sich weitere:
Bemerkung: Es sei V ein euklidischer
Vektorraum. Dann gilt für alle v,vi,w Î
V und a Î
R :
Beweis: Zu 1.: Mit der Kommutativität und der Linearität in der ersten
Koordinate von * kann man wie folgt argumentieren:
v * (w1
+ w2) = (w1
+ w2) * v
= w1 * v
+ w2 * v = v * w1
+ v * w2.
Zu 2.: 2. wird wie gerade bewiesen. Zu 3.: Wir zeigen nur die erste Gleichung (die zweite ergibt sich
wieder nach dem Schema zu 1.):
(v1 - v2) * w
= (v1 + (-v2)) * w
= v1 * w
+ (-v2) * w
= v1 * w
+ (-(v2 * w))
= v1 * w
- v2 * w.
Zu 4.: 0 * w = (0·0) * w = 0(0 * w) = 0. Zu 5.: Z.B. ist in R 2:
e1 * e2
= 0. |
Euklidische Vektorräume ermöglichen die Einführung geometrischer
Strukturen. In diesem Abschnitt betrachten wir zwei grundlegende
Konzepte: die Längen- und die Winkelmessung.
Wir beginnen mit der Längenmessung und orientieren uns dabei an den geometrischen Verhältnissen des R n.
Stellt man sich unter der Länge eines Vektors x
die Länge
.
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| Definition: Es sei V ein euklidischer
Vektorraum. Für v Î V setzen
wir
.
Die Zahl | v | heißt die Länge (bzw. die Norm) des Vektors v. Ist | v | = 1, so nennen wir v einen Einheitsvektor. |
Beachte:
Beispiel: Wir berechnen die Längen einiger
Vektoren
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||||||||||||
Bemerkung: Es sei V ein euklidischer
Vektorraum. Dann gilt für alle v,w Î
V und a Î
R :
Beweis: Zu 1.: Dies ist eine Eigenschaft der Wurzel: . Zu 2.: Für diese "Þ"
Richtung benötigen wir ebenfalls eine Wurzeleigenschaft: Zu 3.: Es reicht, die Gleichheit der Quadrate festzustellen:
| av
|2 = av * av
= a·a(v * v)
= a2v2
= | a
|2| v |2 = (| a
|
| v |)2.
Zu 4.: Die Behauptung folgt mit a = -1 direkt aus 3. Zu 5.: Für w = 0 ist nichts zu zeigen; sei also w ¹ 0. Der Beweis ist jetzt ein wenig trickreich. Neben einigen Eigenschaften des Skalarprodukts benötigen wir am Ende das Monotonieverhalten der Wurzelfunktion. Wir setzen nun und zeigen der Reihe nach:
Zu 6.: "Þ" Für w = 0 ist
wieder nichts zu zeigen; sei also w
¹ 0. Wie im Beweis zu 4. errechnen wir:
Damit aber ist | v - cw | = 0, also v = cw. Die Sequenz v,w ist daher linear abhängig. "Ü": Sei nun v,w
linear
abhängig, etwa v = aw.
Dann rechnet man der Reihe nach:
| v * w
| =
| aw * w
| = | a
|
| w * w
| = | a
|
| w
|2 = | a
|
| w
|·| w
| = | aw
|·| w
| = | v
|·| w |.
Zu 7.: Wir betrachten wieder nur die Quadrate:
Zu 8.: Die Behauptung folgt sofort aus | v | = | v - w + w | £ | v - w | + | w |. Zu 9.: | v + w
|2 + | v - w
|2 = (v + w)2 + (v -
w)2 = v2 + 2(v * w)
+ w2 + v2 -
2(v * w)
+ w2 = 2| v |2 + 2 | w |2. |
| Bemerkung und Bezeichnung: Es sei V ein
euklidischer Vektorraum, v Î V. Ist
v ¹ 0, so setzt man
.
v° heißt der zu v gehörige Einheitsvektor. Dabei gilt:
Beweis: Zu 1.: . Zu 2.: Die Gleichheit folgt mit v = | v |
v° aus einer elementaren Gesetzmäßigkeit für
Erzeugnisse. |
Direkt verbunden mit dem Längenbegriff ist das Konzept der Abstandsmessung.
Die folgende Definition orientiert sich an den Verhältnissen desR n.
Hier
repräsentiert der Vektor x - y
die Nebendiagonale des von x und y
aufgespannten Prallelogramms; seine Länge | x - y | mißt also die Entfernung zwischen
den Punkten x und y.
| Definition: Es sei V ein euklidischer
Vektorraum. Für v,w Î V heißt
die Zahl
| v - w
|
Abstand von v zu w. |
Bemerkung: In einem euklidischen Vektorraum V gilt für alle
u,v,w Î
V:
Beweis: Alle Punkte werden auf die entsprechenden Eigenschaften der Länge zurückgeführt. 2. ist offensichtlich richtig. Zu 1.: | v - w | = | -(v - w) | = | w - v |. Zu 3.: | v - w | = 0 Û v - w = 0 Û v = w. Zu 4.: | v - w
| = | v - u
+ u - w | £
| v - u | + | u
- w
|. |
Die Existenz eines Abstandsbegriffs eröffnet für euklidische Vektorräume eine
völlig neue Perspektive: Grundprinzipien der reellen Analysis lassen sich in
geeigneter Weise auf euklidische Vektorräume übertragen! Dieses Konzept soll
am Beispiel der Konvergenz vorgestellt werden.
Definition: Es sei V ein euklidischer
Vektorraum (vn) eine Folge in V und v Î V.
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Bemerkung: V sei ein euklidischer Vektorraum.
Dann gilt:
Beweis: Zu 1.: Angenommen v und v' sind zwei verschiedene Grenzwerte von (vn). Dann gibt es zu jedem e > 0 ein n, so dass
Zu 2.: Sei (vn) konvergent gegen v und e > 0
vorgegeben. Dann gibt es ein n0, so dass | vn - v | <
für
alle n ³ n0.
| vn - vm | = | vn - v + v - vm | £ | vn - v | + | vm - v | < e.
Zu 3.: Ist e > 0 vorgegeben, so gibt es n1,n2, so dass
Für alle n ³ n0
:= max{n1,n2}gilt damit:
| avn + bwn - (av + bw) | £ |a|| vn - v | + |b|| wn - w | <
£ e.
|
Beachte:
Denn wegen | xn - x |2 = | (xn)1 - x1 |2 + .... + | (xn)m - xm |2 kann man folgendermaßen argumentieren:
Auch für das zweite geometrische Grundkonzept, die Winkelmessung, lassen wir uns durch die Verhältnisse im R n motivieren. Betrachtet man etwa zwei Einheitsvektoren des R 2, so läßt sich der Kosinus des Winkel zwischen diesen Vektoren elementargeometrisch am Einheitskreis ermitteln.
| Nach der Skizze ist a -
b der Winkel
zwischen x
und y. Seinen Kosinus können wir mit Hilfe des Additionstheorems berechnen:
|
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Diese Beziehung kann man nun leicht auf beliebige Skalarprodukte
verallgemeinern:
| Definition: Ist V ein euklidischer Vektorraum,
so heißt für v,w Î V, v,w
¹ 0 die Zahl
Î [0,p]
das Winkelmaß zwischen v und w. |
Beachte:
Beispiel:
|
Bemerkung: Es sei V ein euklidischer Vektorraum,
v,w Î V, v,w
¹ 0. Dann gilt für a
¹ 0:
Beweis: Zu 1.: . Zu 2.: . Zu 3.: . Zu 4.: Die erste Gleichung folgt aus 3., die zweite direkt aus
der Definition. |
Wir ziehen nun Abbildungen zwischen euklidischen Vektorräume mit in unsere
Betrachtungen ein. Diejenigen unter ihnen, die die geometrischen
Zusatzeigenschaften respektieren zeichnen wir durch einen Namen aus.
Definition: V und W
seien zwei euklidische Vektorräume. Eine Funktion f : V ®
W heißt
|
Beispiel:
|
| Bemerkung: Es sei f : V ®
W eine lineare Abbildung zwischen zwei euklidischen Vektorräumen.
Dann gilt:
f ist längentreu Û
f ist
abstandstreu.
Beweis: "Þ": | f(v) - f(w) | = | f(v - w) | = | v - w |. "Ü": | f(v)
|
= | f(v) -
f(0) |
= | v -
0 |
= | v |. |
Die verschiedenen Treueeigenschaften sind mit der Hintereinanderausführung verträglich:
Bemerkung: U, V und W
seien drei euklidische Vektorräume. f : V ®
W und g : U ®
V zwei Abbildungen, dann gilt:
Beweis: Für v,w Î U hat man: Zu 1.: | f(g(v)) | = | g(v) | = | v | für alle v Î U. Zu 2.: | f(g(v)) - f(g(w)) | = | g(v) - g(w) | = | v - w | für alle v,w Î U. Zu 3.: Zunächst hat man für ein v ¹ 0:
g(v) ¹ 0 Þ f(g(v)) ¹ 0. |
| 9.12 |
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